Format Virtuelle Keynote
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Format Virtuelle Keynote

So produzierst du eine virtuelle Keynote mit Unreal Engine und LinkedIn Live.

Auf der Suche nach neuen Features und Formaten für Deine Veranstaltungen oder Videoproduktionen starteten wir ein eigenes Live Format in unserem Urban Studio. Ziel der Produktion war es den Zuschauer:innen anhand von eigenen Inhalten die umfangreichen Möglichkeiten eines virtuellen Keynote Formats näher zu bringen und dabei unser Urban Studio, das Regie Studio und die vorhandene Technik grob vorzustellen. Dafür entwickelten wir eine virtuelle Bühne im passenden Look unseres CIs. Somit konnten wir darstellen wie atmosphärisch und interaktiv Keynotes sein können.

Virtuelle Keynotes sind längst mehr als ein Notbehelf aus der Pandemiezeit. Sie bieten Unternehmen die Möglichkeit, Botschaften mit einer visuellen Wucht zu transportieren, die auf einer klassischen Bühne mit physischen Kulissen nur schwer zu erreichen ist. Durch die Kombination aus Greenscreen-Technologie, Echtzeit-Rendering und professioneller Live-Regie entsteht ein Format, das Zuschauer:innen sowohl vor Ort als auch remote gleichermaßen begeistern kann. In diesem Beitrag nehmen wir euch mit durch den gesamten Produktionsprozess - von der LinkedIn-Freischaltung bis zum fertigen Livestream.

LinkedIn Creator Modus Freischaltung

Um unsere Medienpartner und Kunden auf direkten Weg zu erreichen, entschieden wir uns die LinkedIn Live Funktion im Creator Modus zu verwenden. Anders als bei Instagram, facebook & Co setzt LinkedIn für die Nutzung des Creator Modus einiges voraus. Folgende Profil-Anforderungen musst du (Stand: April 2022) dafür haben:

  1. +150 Follower / Kontakte auf deinem privaten oder Firmenprofil
  2. Regelmäßige Beiträge gepostet
  3. Community Richtlinien entsprechen
  4. Erfolgreicher Bewerbungsprozess für LinkedIn Live über den LinkedIn Support (via Email)

Der Bewerbungsprozess hat gezeigt, wie wichtig ist die aktive Nutzung ist. Je angesagter und reichweitenstark deine Posts sind, desto höher ist die Chance, dass auch bei dir LinkedIn Live schnell freigeschaltet wird.

Tipp für den Bewerbungsprozess: Wir empfehlen, mindestens vier bis sechs Wochen vor dem geplanten Event mit der Bewerbung zu beginnen. LinkedIn prüft das Profil auf Aktivität, Reichweite und Community-Engagement. Ein gut gepflegtes Profil mit regelmäßigen Video-Beiträgen erhöht die Chancen auf eine schnelle Freischaltung erheblich. Außerdem sollte in der Bewerbung klar kommuniziert werden, welche Art von Live-Inhalten geplant sind - LinkedIn bevorzugt professionelle, bildungsrelevante oder branchenspezifische Formate gegenüber reinen Werbeformaten.

LinkedIn Live mit externem Encoder nutzen

Sobald die Freischaltung von LinkedIn Live erfolgt ist, kannst du dein Event als Livestream anlegen und bearbeiten. Ein Unterschied zu anderen Streaming-Portalen ist uns bei der Planung des Events aufgefallen. Die Übertragung kann erst ca. 1 Stunde vor Eventbeginn über den Vorschau-Modus getestet werden. Jeder der schon einmal selbst live gestreamt hat weiß, dass ein Test im Vorfeld notwendig ist um Latenzen, Qualität und Streaming-Profile zu testen. Die kurze Zeit von 60 Minuten ist aus unserer Sicht etwas zu kurzfristig, stellte aber für die Übertragung im großen und ganzen kein Problem dar. Folgende Einstellungen sind kurz vor Eventbeginn zu beachten:

  • LinkedIn Livestream Server Region
  • RTMP Key
  • Stream ID

Technische Details zum Setup: Für die Übertragung nutzten wir einen externen Hardware-Encoder, der das Programmsignal unseres TriCasters direkt an LinkedIn sendete. Der Vorteil gegenüber Software-Encodern wie OBS: Hardware-Encoder bieten eine stabilere Verbindung, niedrigere Latenz und belasten den Produktionsrechner nicht zusätzlich. Wir streamten mit einer Auflösung von 1080p bei 30fps und einer Bitrate von 6 Mbit/s - ein guter Kompromiss zwischen Bildqualität und Verbindungsstabilität.

Ein weiterer wichtiger Punkt: LinkedIn zeigt Livestreams im Feed der Follower an und sendet Push-Benachrichtigungen an Nutzer:innen, die dem Profil folgen. Das bedeutet, dass die organische Reichweite eines LinkedIn-Livestreams in der Regel deutlich höher ist als bei einem voraufgezeichneten Video. Diesen Reichweitenvorteil sollte man bei der Entscheidung für eine Plattform unbedingt berücksichtigen.

Virtual Design mit Unreal Engine

Für das virtuelle Bühnenbild setzten wir auf eine bewusst reduzierte, aber wirkungsvolle Designsprache:

  • Schwarz Gelb - passend zu unserem Corporate Design
  • Dunkel um Fokus auf Keynote und Speaker hervorzuheben
  • Räumliche Tiefe durch mehrere Ebenen und perspektivische Elemente
  • 3 Cameras für dynamische Bildwechsel

Die Designphilosophie hinter dem virtuellen Set: Bei der Gestaltung virtueller Bühnen gilt ein zentrales Prinzip - weniger ist mehr. Ein überladenes virtuelles Set lenkt vom Inhalt ab, während ein gut gestalteter, minimalistischer Hintergrund den Speaker in den Mittelpunkt stellt. Wir arbeiteten mit subtilen Lichteffekten und animierten Elementen, die dem Set Tiefe und Lebendigkeit verleihen, ohne die Aufmerksamkeit vom Vortrag abzuziehen.

Die drei Kamerapositionen wurden strategisch gewählt: eine Totale für den Überblick, eine halbnahe Einstellung für den Vortragsmodus und eine Nahaufnahme für emotionale Momente und wichtige Aussagen. Jede Kameraposition hatte ein eigenes, angepasstes virtuelles Set, das die jeweilige Perspektive optimal unterstützte. In der Unreal Engine konnten wir die Beleuchtung für jede Kameraeinstellung individuell anpassen - ein enormer Vorteil gegenüber physischen Sets, bei denen ein Lichtwechsel deutlich aufwändiger ist.

Automatisierte Sequenzen mit Teleprompter Skript und TriCaster Layouts

Ein völlig neues Gebiet haben wir mit der Nutzung der Teleprompter Funktion über den NewTek TriCaster Elite 2 betreten. Ziel des Features war es einerseits der Keynote durch ein vorproduziertes Skripts einen roten Faden zu geben, andererseits die Kamera-, Layout- und Videoeinspieler perfekt auf das gesprochene Wort vorzuplanen. Einen Teleprompter zu nutzen erfordert etwas Übung, ist aber eine sehr attraktive Form für komplexere und kurzfristige Vorträge. Aus eigener Erfahrung können wir sagen, dass sich der Einsatz lohnt und viele Moderator:innen und Speaker die Nutzung dankbar sind. Auch gerade weil es so kaum zu falschen Aussagen oder Textfehler kommen kann.

Bei unserer täglichen Arbeit nutzen wir über unseren NewTek TriCaster individuelle Layout-Ebenen (NewTek bezeichnet diese Ebenen M/E Ebenen). Diese Programmierung ist notwendig, um verschiedene audiovisuelle Medien - egal ob Live oder aus der Schublade - miteinander zu kombinieren. So können wir eine Kamera mit einem Logo kombinieren, Layouts für virtuelle Zuschalten (über Zoom, WebEx & Co) erstellen oder auch wie in unserem Case ein Greenscreen Keying mit Unreal Engine Hintergründe kombinieren.

Durch die Kombination von Teleprompter + Layout Ebenen sehen wir einen immensen Mehrwert für eine professionelle und zuverlässige Live Produktion. In der Praxis stellt sich die Kombination der Features wie folgt dar:

  1. Kameras, Designs, Videos und M/E Layouts im NewTek TriCaster programmieren und ggf. Macros erstellen
  2. Skript in Microsoft Word erstellen und über die Kommentarfunktion an der gewünschten Text-Stelle den NewTek TriCaster Layoutnamen hinzufügen.
  3. Skript in TriCaster importieren und die automatisierte Show durch starten des Teleprompters beginnen.

Warum diese Automatisierung entscheidend ist: In einer klassischen Live-Produktion muss der Regisseur jeden Kamerawechsel, jeden Einspieler und jedes Layout manuell triggern. Bei einer Keynote mit vielen Szenen und schnellen Wechseln ist das fehleranfällig und erfordert höchste Konzentration. Durch die Verknüpfung von Teleprompter-Skript und TriCaster-Layouts wird ein Großteil dieser Entscheidungen automatisiert. Der Regisseur kann sich auf die Feinabstimmung konzentrieren, während die Grundstruktur der Show automatisch abläuft. Das Ergebnis ist eine deutlich konsistentere und professionellere Produktion.

Live Keynote | Replay

Ergebnisse und Learnings aus der Produktion

Die LinkedIn Live Keynote lieferte uns wertvolle Erkenntnisse für zukünftige Produktionen. Während des Livestreams verzeichneten wir eine durchgehend hohe Engagement-Rate: Die durchschnittliche Verweildauer lag deutlich über dem LinkedIn-Durchschnitt für Video-Content. Besonders die interaktiven Momente - Fragen aus dem Chat, die live aufgegriffen wurden - sorgten für Peaks in der Zuschauerbeteiligung.

Was wir gelernt haben:

  • Vorlaufzeit einplanen: Die eingeschränkte Testzeit von LinkedIn Live erfordert, dass alle technischen Systeme vor der 60-Minuten-Marke vollständig eingerichtet und intern getestet sind. Wir empfehlen, den gesamten technischen Aufbau mindestens drei Stunden vor dem Event abzuschließen.
  • Engagement aktiv steuern: Ein dedizierter Community-Manager, der den Chat betreut und Fragen an den Speaker weiterleitet, ist bei LinkedIn Live essenziell. Die Plattform belohnt Interaktion mit höherer Sichtbarkeit im Algorithmus.
  • Nachverwertung planen: Der aufgezeichnete Livestream bleibt als Video auf dem Profil bestehen und generiert auch nach dem Event weiterhin Views. Es lohnt sich, den Content in kürzere Clips aufzuteilen und als eigenständige Beiträge weiterzuverwerten.
  • Redundante Internetverbindung: Für professionelle Livestreams auf LinkedIn empfehlen wir dringend eine Backup-Internetleitung. Ein Verbindungsabbruch während des Streams ist der worst case und lässt sich mit einer zweiten Leitung einfach vermeiden.

Audiovisueller Content

Blick hinter die Kulissen

Um den Zuschauer:innen einen tieferen Einblick in den Ablauf einer Live Produktion zu geben, entschieden wir uns zu Beginn der Show das Regie Studio über eine zusätzliche Kamera einzublenden. Ein Blick hinter die Kulissen ist immer interessant und eine echte Leidenschaft vieler Film- und Show Fans. Zudem zeigt es gut den Aufwand von Personal und Technik und schaffe einen echten Info Mehrwert.

Der Backstage-Blick erfüllt dabei mehrere Funktionen: Er demonstriert die Professionalität der Produktion, schafft Transparenz gegenüber potenziellen Kund:innen und gibt dem Livestream eine zusätzliche visuelle Ebene. In unserem Fall starteten wir mit der Regie-Ansicht und zoomten dann in das virtuelle Set hinein - ein eleganter Übergang, der sofort die Aufmerksamkeit der Zuschauer:innen fesselte.

Intros, Video Einspieler und Motion Design

Um eine Keynote so spannend wir möglich zu gestalten, haben wir die einzelnen Kapitel mit individuellen Video-Elementen ausgestattet. So startet der Livestream mit einem Countdown inklusive passender Musik, gefolgt von einer Bauchbinde mit Namen des Speakers (hier unser CEO Nicolai Jakobs) und weiteren audiovisuellen Elementen für einzelne Kapitel der Show. Das im Vorfeld produzierte Urban Studio Video ließ sich perfekt mit der Keynote verbinden und startete passend zur Vorstellung des neuen Produkts als emotionale Zuschauer-Aktivierung. Die Folien auf dem Screen in unserem Szenario waren eine Mischung aus PNG-Bildsequenzen und klassischen PowerPoint Präsentationen.

Für wen eignet sich das virtuelle Keynote Format?

Das von uns entwickelte Format eignet sich besonders für Unternehmen und Organisationen, die ihre Kommunikation auf das nächste Level heben möchten. Typische Einsatzszenarien sind:

  • Produktlaunches: Ein neues Produkt verdient eine Bühne, die genauso innovativ ist wie das Produkt selbst. Virtuelle Sets können die Markenidentität perfekt widerspiegeln und das Produkt in Szene setzen.
  • Unternehmenskommunikation: Quartalsberichte, Strategieupdates oder Townhall-Meetings werden durch virtuelle Keynotes deutlich ansprechender und professioneller.
  • Konferenzen und Fachvorträge: Referent:innen können mit dynamischen Hintergründen, eingeblendeten Daten und visuellen Storytelling-Elementen ihre Inhalte wesentlich wirkungsvoller transportieren.
  • Employer Branding: Virtuelle Keynotes eignen sich hervorragend, um die eigene Unternehmenskultur und technologische Kompetenz nach außen zu demonstrieren.

Die Investition in ein professionelles virtuelles Keynote-Format zahlt sich besonders dann aus, wenn der Content mehrfach verwertet werden soll: als Livestream, als On-Demand-Video, als Social-Media-Clips und als Grundlage für weitere Marketing-Materialien. So wird aus einem einzelnen Produktionstag ein ganzes Content-Ökosystem.

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